Unerträglicher Chef (Achtung: Lang!)

Für verzwickte Angelegenheiten und scheinbar unlösbare Probleme.

Unerträglicher Chef (Achtung: Lang!)

Beitragvon Dannyexx » So 12.07.2015 17:45

Hallo.

Also ich weiß, ich kann mich an die IHK wenden, aber es ist Sonntag. Ich meld mich noch bei der IHK, aber vielleicht weiß hier schon mal jemand Rat.

Kommenden August fängt mein 2. Ausbildungsjahr zum Groß- und Außenhandelskaufmann an und mein Chef ist sehr gestört und realitätsfremd. Am Montag hat er versucht, mir eine völlig an den Haaren herbeigezogene Abmahnung unterzujubeln, die ich mich geweigert habe, zu unterschreiben. Da hat er mir Dinge vorgeworfen, die nicht stimmten. Zu seinem Pech hat eine Assistentin von ihm schon MEINE Version bestätigt und als ich angekündigt habe ,das der IHK zu melden, hat er den Schwanz eingezogen und war den Rest der Woche nett zu mir. Aber das war nicht das erste Mal, dass der sowas bei mir versucht und mir irgendwas unterstellt hat. Dafür ist der bekannt. Genau wie er dafür bekannt ist, die Azubis ausbildungsfremde Tätigkeiten machen zu lassen.

Also ich bin insgesamt nun 16 Monate im Betrieb, weil ich vor der Ausbildung auch ein Praktikum dort gemacht hab und halte das keine 2 weiteren Jahre mehr mit dem aus. KEINER kann auf den, weil das ein unerträglicher Mensch mit einem gestörten Ego ist, der sich Sachen erfindet und sich auch die Gesetze neu schreibt. Problem ist, dass der Betrieb auch so klein ist und man quasi ständig mit dem zu tun hat und man ihm nicht einfach so aus dem Weg gehen kann.

Die komische Abmahnung von Montag hab ich mir neulich heimlich kopiert und will die mal der IHK zukommen lassen. Ich bin 31 Jahre alt und hab eine schwere Vergangenheit hinter mir und bin froh über diese Ausbildung. Und das will ich mir von diesem Spinner nicht kaputt machen lassen.

Hat da jemand Rat für mich? Einfach einen neuen Betrieb zu finden, zu dem man wechseln kann ist zwar möglich, aber nicht so einfach. Ich versuch mir ja schon 'nen Weg auszudenken, wie er mich unrechtmäßig rausschmeißt, ich zur IHK und dem Arbeitsgericht gehe und es am Ende so ausgeht, dass ich nicht mehr da arbeiten muss und trotzdem in 2 Jahren die Abschlussprüfung machen kann. :D
Kennt jemand eine ähnliche Situation?

Das Problem ist, eigentlich ist die Problematik der Berufsschule, dem Jobcenter und anderen Instituten hinreichend bekannt. Seit Jahren, Trotzdem tut keiner was dagegen.

Der lässt seine Azubis da Neukundenakquise machen, ohne Schulung und macht einen dann nieder, wenn man keine Umsätze bringt. Dann macht der dauernd Ärger und verdreht Realitäten und unterstellt den Leuten Aussagen, dreht sich aber alles so, als wären die ANDEREN das Problem. Ich glaub, der hat eine Persönlichkeitsstörung, oder sowas.

Der ist auch schon diverse Male vor Gericht gelandet und musste zu Schlichtungsgesprächen zur IHK und ist bisher immer auf die Nase gefallen und hat noch nie Recht bekommen.

Ich habe schon eine lange Mail an die IHK vorbereitet. Tut mir leid, wenn das alles zu lang ist:

" Sehr geehrter Herr P....,

wie Sie sich vielleicht erinnern, habe ich mich Anfang des Jahres schon mal an Sie gewandt, weil es in meinem Ausbildungsbetrieb ständig Schwierigkeiten gibt.

Ich würde Ihnen gerne von einem neuen Vorfall berichten. Auch wenn es vielleicht klar ist, möchte ich Sie darum bitten, diese Mail vertraulich zu behandeln. Mein Chef muss (erstmal) nicht wissen, dass ich Ihnen dies alles erzähle. Entschuldigen Sie die lange und ausführliche Mail.

Es geht jedenfalls um eine völlig ungerechtfertigte, dumme, an den Haaren herbeigezogene Abmahnung, die sich auch als Dokument im Anhang befindet. Ich habe mich geweigert ,diese zu unterschreiben. Zur Vorgeschichte:

Am 12.06.2015 hat ein Kunde bei uns eine Bestellung aufgegeben, welche ich an einen unserer Lieferanten weitergeleitet habe.

Normalerweise gehen Bestellungen an Lieferanten, nachdem man Sie getätigt hat, erst einmal zum Chef, damit er diese in seine Liste eintragen kann und dann erst wird er in den Wagen für "laufende Vorgänge" abgelegt.

Aus einer Schusseligkeit heraus habe ich diesen Vorgang aber sofort in diesen Wagen abgelegt, ohne ihn zuerst zum Chef zu geben.

Im Laufe des Tages kam Chef dann auf mich zu und hat diesen Vorgang gesucht und mich gefragt warum ich Ihn nicht zuerst zu ihm gegeben habe.

Mein Antwort: "Oh, dann war ich bestimmt kurz abgelenkt.

Chef leicht amüsiert: "Lässt du dich so leicht ablenken?"

Dann hab ich ihm den Vorgang gegeben, er hat die Bestellung bei sich eingetragen und das Thema war durch. Ich habe für diesen Vorfall und für das Gespräch Gott sei Dank eine Zeugin, die Chef gegenüber meine Version schon Wort für Wort bestätigt hat.

Die Woche darauf hatte Chef Urlaub und die 2 Wochen danach hatte ich Urlaub. Also zwischen dem 12.06.15 und de 06.07.15 haben wir uns nicht mehr gesehen.

Letzten Montag, an meinem ersten Tag nach meinem 2-wöchigen Urlaub, wurde ich erstmal mit einem Gebrüll von ihm begrüßt und mit komischen Gerede...so wie er halt ist und wie man ihn kennt und wie Sie sicher schon mal von ihm gehört haben, auch von anderer Stelle.

Also am 06.07.15 legte er mir dann eine Abmahnung vor, wo drin steht, dass Vorgänge von mir nicht nach Vorgabe bearbeitet werden, (so als würde das ständig passieren) und beim letzten Vorfall hätte ich gesagt: "das ist doch nicht so schlimm".

Zunächst mal bin ich mir ziemlich sicher, dass ich als Auszubildender Fehler machen darf. Zum anderen habe ich diese Aussage, die er mir vorwirft, niemals auch nur ansatzweise gemacht. Wie schon erwähnt, habe ich da eine Zeugin für, die ich erstmal nicht namentlich erwähnen möchte. Chef hat diese Zeugin am selben Tag noch angerufen, um sich von Ihr eine Bestätigung für seine Version zu holen. Zu seinem Pech hat Sie ihm aber Wort für Wort MEINE Version bestätigt.

Als Chef mir die Abmahnung vorlegte und ich versucht habe, ihm die Realitäten zu erklären und ihm wahrheitsgemäß wiederzugeben, wie es TATSÄCHLICH war, hat er meine Aussagen abgestritten und nicht angenommen. So wie er es immer tut und wofür er auch bekannt ist. Er macht sich ja seine eigenen Wahrheiten und "Realitäten".

Das ist das eine. Die andere Sache ist die, dass ich mich als "Reiseführer für Praktikanten" profiliere.

Wir hatten im Juni einen Schulpraktikanten. Eine andere Angestellte des Betriebs und ich haben dem Jungen gezeigt, wie man Angebote und Ausgangsrechnungen schreibt und bearbeitet, usw.

Ich bin seit 16 Monaten in diesem Betrieb und es gab schon ein paar neue Mitarbeiter und Praktikanten, die ich da erlebt habe und mit wirklich JEDEM wurde hinten im separaten Raum eine Material-Schulung gemacht. Das heißt, die verschiedenen Etiketten-Materialien, die EDS-Dinslaken vertreibt, werden den Neuen Leuten gezeigt und ein bisschen erklärt. So habe ich das auch beim Praktikanten von Juni gehandhabt. Und dann bin ich mit ihm die Treppe hoch und habe die Tür zum Archiv aufgemacht und ihm gezeigt, dass dort so die alten Vorgänge gelagert werden.

Daraus versucht Chef mir nun einen Strick zu drehen und sieht das als triftigen Grund für eine Abmahnung. Jetzt versucht er auch noch allen Ernstes mit jedem Angestellten zu klären, ob mir irgendwer gesagt hätte, dass ich dem Praktikanten alles zeigen soll.

Wie gesagt, speziell bei diesem vielleicht nicht. Aber einige Leute können bestätigen, dass Material-Schulung mit JEDEM gemacht wurde. Und ich persönlich kenne es nicht anders aus meiner Praktikumszeit als Schüler, dass einem Praktikanten alles gezeigt wird, was so zum Betrieb gehört. Das Archiv gehört für mich dazu.

Und wie Sie der Abmahnung entnehmen können redet Chef davon, dass er "Auf die Suche nach mir gehen musste". Würden Sie unseren Betrieb kennen und die Größe des Betriebes, würden Sie darüber in schallendes Gelächter ausbrechen. Da dürfte er nicht mehr als 8 Sekunden für gebraucht haben, bis er mich gefunden hat.

Und "ich möchte Sie nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass alle Räumlichkeiten für Sie tabu sind" ist auch völliger Schwachsinn. Sowas hat er noch nie zu mir gesagt und ich habe auch keine Hausordnung, oder dergleichen wo drin vermerkt ist, dass ich da nicht rein darf. Im Gegenteil. Ich wurde schon oft da hoch geschickt und musste da was holen.

Dann ein Faktor, der nicht in er Abmahnung erwähnt wird: Eine andere Mitarbeiterin, die neu bei uns ist und im Vertrieb arbeitet und Kaltakquise macht, war schon oft auf meine Hilfe angewiesen und hat mich einiges wegen dem PC gefragt, an dem Sie sitzt. Also ich habe Sie halt eingearbeitet, weil Chef das sowieso nie macht. Die Dame ist schon über 60 und erfahrene Verkäuferin am Telefon, nur halt in unserem Bereich noch unerfahren.

Wenn Sie also mit einem Interessenten telefoniert hat und dann bei diesem Menschen nicht weiterkam, wenn es um spezielle Materialien ging, oder bestimmte Angaben ging, habe ich von da an übernommen und sie reichte den Hörer an mich weiter und ich habe dann mit dem Interessenten weiter telefoniert. Zusammen haben wir schon viele Angebot geschafft, die potentielle Kunde haben wollten.

Die Dame arbeitet auf Teilzeit, oder Mini-Job Basis. 3 Mal die Woche ist Sie von 9-13 Uhr da. Dann hat Sie mit Chef abgeklärt, dass Sie nur an den Tagen kommen möchte, wenn ich auch da bin, weil ich Ihr eine große Hilfe bin. Sie wollte beispielsweise Mittwochs nicht kommen, da ich Mittwochs Berufsschule habe.

So lief das alles 2 Monate, bis er mir daraus vergangenen Montag auch einen Strick drehen wollte.

Dann fragte er mich vorwurfsvoll, wer mich denn beauftragt hätte, der Frau zu helfen? Und auf meine Aussage hin, dass die Dame das doch mit ihm abgeklärt hätte, meinte er dann zu mir: "Hast DU das denn auch mit mir abgeklärt?"

Dabei saß ich damals noch dabei, als die Frau auf ihn zuging und ihm sagte, dass Sie nur kommen möchte, wenn ich auch da bin. Da hat er aber zu dem Zeitpunkt nichts gegen gesagt.


Ich habe mich an 2 Freunde gewandt, die mir beide rieten, die Abmahnung auf jeden Fall der IHK einfach mal zu zeigen und den Vorfall zu schildern.

Seit die Mitarbeiterin dem Chef bestätigt hat, dass ich die Aussage "Ist doch nicht so schlimm" überhaupt nicht gemacht habe, hat er mich den Rest der Woche in Ruhe gelassen und war freundlich zu mir und die Abmahnung war seitdem auch kein Thema mehr. Aber bei ihm weiß man leider nie. Die Berufsschule weiß ja schon seit Jahren, was in dem Betrieb so vorgeht und das Chef hinterlistig gerne mal versucht, den Auszubildenden und Praktikanten einen reinzudrücken und den Leute Aussagen unterstellt und sich Abmahnungen aus den Fingern saugt.

Es gab noch keinen Azubi, oder Praktikanten, der keinen Hass auf den hatte. Das weiß die Berufsschule, das Jobcenter und alle im Betrieb wissen das auch.

Der dreht sich eben alles so, dass alle Chaoten sind und Ärger machen und lügen und schummeln...dabei macht ER das alles. Vor ein paar Monaten gab es mit einer Azubine ja ein Schlichtungsgespräch bei der IHK, wo sie dann auch offen legte, was im Betrieb so passiert. Hintenrum mit Rausschmiss drohen, etc. Da ging es um eine fristlose Kündigung, die von der IHK für nichtig erklärt wurde.

Und ich schick Ihnen einfach mal die Abmahnung, damit ich im Notfall, wenn er mir wieder irgendwas will, vielleicht was gegen ihn in der Hand habe. Ich möchte mich sozusagen absichern. Aber wie gesagt bitte ich Sie, den jetzt bitte nicht anzurufen, oder dergleichen. Der muss nicht wissen, dass ich mich an Sie gewandt habe. Sollten Sie Fragen, oder Anmerkungen haben, wenden Sie sich bitte an mich. Wobei mich jetzt definitiv interessiert, was Sie von dieser Abmahnung halten.

Als er von mir wollte, dass ich die unterschreibe hab ich ihm gesagt, dass ich die NICHT unterschreibe, sondern erstmal der IHK zeigen würde.

Dann meinte er nur: "Die brauchst du nicht der IHK vorlegen".

Ich: "Ja, würde ich aber. Das ist gelogen, was da steht".

Und darauf hin meinte er dann, dass wenn ich ihn jetzt als "Lügner" bezichtigen würde, gäb es ein Schlichtungsgespräch bei der IHK und dann die fristlose Kündigung.

Ich daraufhin nur: "Ja gut, machen wir das so."

Und eine Sache wäre noch wichtig. Also ich hab mich daraufhin tagelang geärgert, dass ich mir diese Abmahnung nicht sofort kopiert habe. Und mein Personalordner ist ja zum Glück im selben Schrank, an den ich sowieso 20 Mal pro Tag ran muss, weil da ja auch die Eingangs- und Ausgangsrechnungen sind, die ich bearbeite.

Und als Chef mal weg war, hab ich auf gut Glück in meinen Ordner geguckt und die Abmahnung war tatsächlich noch drin. Und dann hab ich sie mir heimlich schnell kopiert, ohne dass er jetzt irgendwas davon weiß. Das wollte ich ehrlicherweise noch erwähnen. Ich hoffe, dass bringt mir keinen Ärger ein.


Mit freundlichen Grüßen

Daniel P.
Dannyexx
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Re: Unerträglicher Chef (Achtung: Lang!)

Beitragvon Fiene » Sa 18.07.2015 14:12

Hallo Daniel,

die Zustände in deinem Betrieb scheinen ja wirklich nicht ganz normal zu sein...ich empfehle dir allerdings aufgrund der Vertraulichkeit und Brisanz des Thema keine E-Mail an die IHK zu schreiben, sondern lieber um einen zeitnahen persönlichen Termin zu bitten, bei dem zu das Ganze schildern kannst.

Immerhin kann eine E-Mail einfach weitergeleitet werden, ein persönliches Gespräch hingegen muss jemand dokumentieren oder aufzeichnen. Das wäre es mir an deiner Stelle aber echt wert. Meinst du, dass dies zu realisieren ist?

Ich glaube, dass deine Chancen für einen Einstieg ins 2. LJ in einem anderen Betrieb nicht so schlecht stehen, da manche aus dem letzten Jahr noch unbesetzte Stellen oder im ersten Ausbildungsjahr einen Verlust wegen Kündigung hatten, sodass dies deine Chance wäre :wink:

Viele Grüße von Fiene
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